Fragen und Antworten zur Orgel


Alle Fragen wurden bei der Veranstaltung "Orgel entdecken mit Konfirmanten", die jährlich durchgeführt wird, in diesem oder im vorherigen Jahr so von den Konfirmanten gestellt.

Wie teuer ist eine Orgel?

Orgeln gibt es in vielerlei Größen und Ausführungen und somit muß unterschiedlich viel dafür gezahlt werden. Kleine Orgeln gibt es für einige 10.000 Euro. Dies sind meist in Serie hergestellte elektronische Orgeln, die den Klang einer Pfeifenorgel mehr oder weniger gut imitieren. Kleine Pfeifenorgeln, wie unsere in Altrip, kosten einige 100.000 Euro und ganz große Orgeln einige Millionen.

Dann sind Orgelbauer sicher sehr reich?

Leider nicht, wie man schon bei einem Besuch einer Orgelwerkstatt feststellen kann. Orgeln sind Einzelstücke und werden in oft mühevoller Handarbeit hergestellt. Die einzelnen Teile werden in der Werkstatt gefertigt, auseinandergebaut und in der Kirche wieder zusammengebaut. Diese Teile sind aus wertvollen Materialien gefertigt, die allein schon sehr teuer sind. Aus all diesen Gründen werden Orgelbauen mit den Verkauf einer Orgel nicht reich. Orgelbauer sind enthusiastische Liebhaber ihres Faches, die mit großer Hingabe ihre Orgeln produzieren und ihre Unternehmen meist schon seit vielen Generationen führen. Wie stark Orgelbauer an ihrer Berufung festhalten, zeigt auch, daß die Orgelbauer der Orgelbaufirma Sauer ihre Firma nach dem Konkurs selbst gekauft haben und nun versuchen sie am Leben zu erhalten.

Wie kommt die Orgel in die Kirche?

Die Treppe ist leider zu klein, auch das Dach wird nicht abgedeckt. Dies wurde nur einmal in der Halligkirche, Kirchwarft der Hallig Hooge getan. Meist werden die einzelnen Teile in der Werkstatt gefertigt, auseinandergebaut und in der Kirche wieder zusammengebaut.

Wie viele Orgelbaufirmen gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es etwa 200 Orgelbaufirmen mit meist sehr wenigen Beschäftigten. Oft arbeitet der Orgelbauer allein in seiner Werkstatt, die meisten Orgelbaufirmen haben 10 - 30 Mitarbeiter. Insgesamt sind etwa 2000 - 3000 Personen im Orgelbau tätig.

Warum baut man so große Orgeln?

Für große Orgelwerke benötigt man große Orgeln mit einer Vielzahl von Registern, die die von den Komponisten der Werke gewünschten Klangfarben erzeugen können. Viele Werke, die im 20. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland von Komponisten für die Orgel geschrieben wurden, versuchen mit der Orgel ein Orchester klanglich nachzubilden. Möchte man diese Musik spielen, ist eine große Orgel mit vielen Registern, die damit die viele für das Stück notwendigen Klänge erzeugen kann, leider notwendig. Darartige große Orgelmusik auf einer kleinen Orgel mit nur wenigen Möglichkeiten zu spielen, ist für den Spieler sehr schwierig, weil er oft tricksen muß. Manchmal helfen auch keine Tricks mehr, die Werke würden auf einer kleinen Orgel langweilig klingen und können aus diesem Grund auf einer kleinen Orgel nicht gespielt werden, denn wer will schon langweilig klingende Musik hören oder spielen?

Warum braucht man Orgeln mit mehreren Manualen?

Mehrere Manuale ermöglichen variantenreiches, also spannenderes Spiel und ist für viele Orgelwerke unbedingt notwendig. Aus Faustformel kann man sagen: Je mehr Register und Manuale eine Orgel besitzt, desto interessanter kann der Organist Werke darauf spielen.

Wie spielt man Orgeln mit fünf Manualen?

Man kann leider nur auf höchstens zwei Manualen gleichzeitig spielen (Organisten mit Zusatzhänden oder orgelspielende Kraken sind noch nicht erfunden). Man kann aber während des Spieles die Manuale ständig wechseln, was zu einem farbfrohen und spannenden Spiel beiträgt.

Hat die Orgel noch mehr Pfeifen, als die, die man vorn sieht?

Ja, unserer Orgel hat etwa 600 Pfeifen. Die würden garnicht alle vorne passen.

Wie lang sind die Pfeifen?

Die Tönhöhe einer Pfeife hängt von ihrer Länge ab. Je länger eine Pfeife ist, desto tiefer wird ihr Ton. Ein Mensch kann nur sehr selten und nur mit Mühe Töne wahrnehmen, die tiefer als 30 Hertz sind. Junge Menschen schaffen es im Durchschnitt Töne bis zu einer Höhe von 18 Kilohertz wahrzunehmen. Jemand der 20 Kilohertz wahrnehmen kann, ist eine sehr große Ausnahme. Im Alter läßt die Fähigkeit hohe Töne wahrnehmen zu können nach. Frauen hören dann im Durchschnitt nur noch Töne bis 12 Kilohertz, Männer nur noch bis 5 Kilohertz. Natürlich sind diese Werte nur Durchschnittswerte. Ebenso hängt die Wahrnehmungsfähigkeit von Tönen nicht nur von deren Höhe, sondern auch von deren Lautstärke ab. Denoch schränkt die Wahrnehmungsfähigkeit der Töne natürlich die Größen der Pfeifen auf den durchnittlich hörbaren Bereich ein. Die längsten Pfeifen sind 32 Fuß lang, das sind etwa 10 Meter und erzeugen einen tiefen brummende Ton von etwa 16 Hertz, der von vielen nur noch als Erschütterung wahrgenommen werden kann. Die kleinste Pfeife ist ca. 6 Millimeter lang und erzeugt einen sehr hohen dünnen Ton von 16 Kilohertz, der von älteren Menschen schon nicht mehr wahrgenommen werden kann und an das Zirpen von Mücken erinnert.

Aus welchem Material sind die Pfeifen?

Es gibt die verrücktesten Orgeln, die aus Bambus, alten Autoreifen und Blechkannen gefertigt wurden. Üblicherweise bestehen die Pfeifen aber nur aus einer Mischung als Zinn (einem sehr hellen Metall) und Blei (ein dunkles Metal), seltener auch aus Kupfer und Holz. Das Zinn sehr teuer ist, verwendet man weniger davon. Bei den Pfeifen, die zu sehen sind, weil sie vorn in der Orgel plaziert werden (den Prospektpfeifen), verwendet man viel Zinn (etwa 75%), weil die schönen hellen blankgeputzten Pfeifen sehr ansehnlich sind. Hinter dem Prospekt stehen die Pfeifen mit höheren Bleianteil, die für das Spiel ebenso notwendig sind, aber dunkler und damit unansehnlicher sind.

Wo steht die größte Orgel der Welt?

In der Convention Hall von Atlantic City (New Jersey), USA steht die größte Orgel der Welt, im Dom von Passau die größte Kirchenorgel der Welt.

Was ist ein Register?

Da jede Orgelpfeife nur einen bestimmten Ton geben kann, benötigt die Orgel für jede Taste auf der Klaviatur bzw. für jede Tast im Pedal eine eigene Pfeife für den richtigen Ton. Alle solch zusammengehörenden Pfeifen haben trotz unterschiedlicher Tonhöhe einen ähnlichen Klang. So kann der gleiche Ton (etwa ein C) in einem Konzert zusammen auf der Geige und auf dem Klavier erklingen, ohne das ein Mißklang entsteht. Dies liegt daran, das die Tonhöhe in jedem Fall gleich ist. Trotzdem ist es einfach herauszubekommen, was auf der Geige und was auf dem Klavier gespielt wurde, da der Klang (um genauer zu sein die Obertöne) unterschiedlich sind. Ein Register faßt nun alle Pfeifen unterschiedlicher Tonhöhe zusammen, die den gleichen Klang haben. Die Pfeifen eines Registers stehen in der Orgel in einer Reihe nebeneinander. Beim Namen der Register wird die Länge der tiefsten (und damit der längsten) Pfeife in Fuß (einer alten deutschen Längeneinheit die ca. 30 cm beträgt) angegeben.

Wieviele Register haben Orgeln?

Das schwankt sehr stark von Orgel zu Orgel. Die kleinste Orgel, die ich kenne, steht auf der Hallig Hooge und hat 5 Register. Große Orgeln können 80 bis 200 Register mit mehr als 10000 Pfeifen haben. Unserer Orgel hat 11 Register und zählt damit zu den kleinen Instrumenten.

Ist es schwieriger eine Orgel mit vielen Registern zu spielen?

Nein, es ist sehr viel schwieriger eine Orgel mit wenigen Registern zu spielen. Bei kleineren Orgeln fällt es sofort auf, daß der Organist nicht spielen kann, bei großen Orgeln kann das ein schlechter Organist unter viel Getöse verstecken, indem er alle möglichen Register zieht. Unter soviel Gedonner merkt man dann das Unvermögen kaum. Kleinere Orgeln sind auch deswegen schwieriger zu spielen, weil dem Organist hier weniger Klangfarben zur Verfügung stehen, er also sehr viel Geschmack und Geschick beweisen muß, um die Stücke abwechslungsreich und interessant zu spielen.

Warum kann man unsere Orgel nicht leiser spielen?

Orgeln sind, anders als Klaviere, nicht in der Lage, laut und leise zu spielen, wenn unterschiedlich stark auf die Tasten gedrückt wird. Anders als beim Klavier, wo ein kleines Hämmerchen auf eine Saite schlägt, strömt bei einer Orgel Luft in die Pfeife, wenn eine Taste gedrückt wird. Weniger oder mehr Luft in die Pfeife zu blasen ist dabei nicht möglich, weil das schrecklich schräg klingen würde. Sicher würde das klingen, wie ein Hund der jault, aus diesem Grund gibt es solche Orgeln auch nicht. Die Pfeife pfeift also entweder oder sie pfeift nicht, der Ton und die Lautstärke ist dabei immer dieselbe. Natürlich klingen die Pfeifen der unterschiedlichen Register verschieden laut. Also kann der Organist die Lautstärke doch in einem gewissen Rahmen variieren, in dem er ein Register mit leiseren Pfeifen wählt. Hat er aber das Register mit den leisesten Pfeifen gewählt, geht es wirklich nicht leiser. Besondere Orgeln bieten aus diesem Grund Schwellhölzer. Dies sind Klappen aus Holz oder Plast, die man vor den Pfeifen zu- oder aufmachen kann und den Ton dann mehr oder weniger abzudämpfen, wodurch er leise oder lauter wird, weil die Klappen im geschlossenen Zustand einen Teil des Schalles schlucken. Unsere Orgel in Altrip hat allerdings keine Schwellhölzer.

Wie alt ist unsere Orgel?

Etwa 80 Jahre. Alles zu unserer Orgel ist auf der Seite Disposition der Link-Orgel in Altrip aufgeschrieben.

Wo kann man mehr über die Orgel lesen?

Unter Literatur finden sich einige Links, die zu Seiten finden, auf denen die Funktionsweise der Orgel genau erklärt ist. Ebenso finden sich dort Bücher, in denen man vieles über die Entstehung von Schall und über die Orgel und Organisten finden kann.

Wieviel verdient ein Organist?

In den Zeiten von Johann Sebastian Bach bekamen Organisten einiges an Gemüse und Wein und ein paar Taler von ihrer Gemeinde. Für den Winter wurden ein wenig Holz zu Verfügung gestellt, damit der Organist und seinen Familie nicht erfror. Organisten schlugen sich in dieser Zeit also mehr schlecht als recht durchs Leben und waren auf jeden Taler, der zusätzlich verdient werden konnte, bitter angewiesen. So war Johann Sebastian Bach in seiner Leipziger Zeit nebenher auch noch Lateinlehrer, als Komponist und Dirigent und für die Knaben des Thomanerchores zuständig. Trotzdem hat das Geld nie gelangt, wie das Denkmal Bachs vor der Thomaskirche in Leipzig zeigt, die diesen großartigen Musiker mit heraushängenden leeren Taschen darstellt. Auch wenn man es kaum glauben kann, waren diese Zeiten noch paradiesiesche Zustände für Musiker. Heute gab es in der thüringischen Landeskirche langen Streit darüber, ob den Organisten für den Gottesdienst 10 Euro gezahlt werden sollen. Man bekommt pro Gottesdienst zwischen 10 und 40 Euro und muß dafür mindestens drei Stunden üben und jeden Sonntag pünktlich aufstehen. Obwohl die meisten Musiker, sehr in Gegensatz über die von ihnen verbreiteten Vorurteilen, nicht auf großem Fuß leben, wenig erwarten und verlangen und auch gelernt haben mit wenig Geld auskommen, reicht das Geld eines Organisten nicht, um davon zu leben. Die Vergütung in Naturalien, wie zu Bachs Zeiten, würden heute jeden Organisten hoch beglücken. Es gibt nur noch wenige Organisten, die nicht anderes tun, als Orgel zu spielen und es werden immer weniger, da die Kirche Geld sparen muß. Nebenbei muß man also noch eine weitere Arbeit haben, um für sein Auskommen genügend zu verdienen. Reich heiraten soll aber auch helfen.

Warum arbeitet dann ein Organist überhaupt für so wenig Geld?

Organisten sind mindestens so große Enthusiasten wie Orgelbauer, die bestimmt nicht Orgel spielen, um damit reich zu werden. Aber es ist die schönste Sache der Welt mit seinen Fingern dieses gewaltige Instrument zum Klingen zu bringen und Menschen damit eine Freude zu bereiten. Dafür lohnen sich die Anstrengungen und das lange Üben.

Wie lange braucht man, um Orgel spielen zu können?

Orgel spielen kann man eigentlich nie. Man nähert sich nach vielen Jahren hartem Übens seinem Ideal vom guten Spiel, daß man aber wohl nie erreichen wird.

Man sollte schon als Kind mit dem Erlernen von Klavier und Orgel beginnen. Das Klavier ist unbedingt erforderlich, um nicht in typische Organistenfehler beim Spielen zu verfallen. Das Erlernen anderer Instrumente ist auch nützlich. Pro Tag sollte man mindesten zwei, besser aber vier Stunden üben. Dabei ist Unterricht bei einem guten Lehrer zwingend erforderlich, da man als Autodidakt schnell beim schludrigen Spiel mit vielen technischen Fehlern landet, die es dann nicht gestatten, schwierigere Stücke zu spielen. Nach vier bis sechs Jahren intensiven Übens kann man dann schon so manierlich Orgel spielen, daß man sich damit vor die Menschheit trauen kann.

Muß man schon Klavier oder Keyboard spielen können, um mit der Orgel anzufangen?

Nein, die meisten Organisten haben dies nicht getan und können kein oder nur sehr wenig Klavier spielen. Es ist aber besser, da die Spieltechnik beim Klavier besser entwickelt werden kann. Man hat es dann also später viel leichter, auf der Orgel schwerere Stücke zu spielen.

Welche Prüfungen gibt es für Organisten?

Möchte man Prüfungen machen, um so bedrucktes Papier erwerben, ohne über deren Sinn nachgedacht zu haben, wird man am Ende nicht mehr Nutzen davon haben, als eben jenes bedruckte Papier. Wichtiger ist es Wissen und Können zu erwerben, was man ebenso bei einem guten Lehrer, ohne einen schriftlichen Nachweis, kann. Die Nagelprobe für jeden Musiker ist immer noch sein Spiel; wenn dies schlecht ist, nützt es ihm garnichts, wenn er mit allen Scheinen und Titeln dieser Welt herumwedeln kann.

Man beginnt seine Ausbildung mit dem D-Abschluß, für den man aber schon recht viel können muß. Choralspiel wird hier ebenso erwartet, wie mittelschwere Orgelstücke.

Für die C-Ausbildung bekommt man ein bis drei Jahre Unterricht von einem Organisten, oft dem Kreis- oder Bezirkskantor seiner Gemeinde. Um einen C-Ausbildung zu machen, braucht man den D-Schein und muß zusätzlich noch eine ca. eintägige Aufnahmeprüfung bestehen, wo mittelschwere bis schwere Stücke auf Klavier und Orgel erwartet werden. Die C-Ausbildung umfaßt mehr als Orgelspiel. Zusätzlich bekommt man Theologie, Orgelbau, Geschichte der Musik und der Orgelkunst erklärt. Nach dem Erhalt des C-Scheins darf man sich Organist nennen.

Für die B-Ausbildung muß man eine ca. eintägige Aufnahmeprüfung an einer Hochschule für Musik bestehen und danach ca. drei bis fünf Jahre studieren. Im Studium lehrt man neben dem Spiel von Orgel und Klavier eine ganze Zahl anderer Fächer kennen, darunter Improvisation auf der Orgel, Komposition, Chorleitung und Theologie. Nach dem Erhalt des B-Scheins darf man sich Kantor nennen.

Wer dann immer noch nicht genug hat, darf noch zwei Jahre künstlerische Ausbildung an der Hochschule anhängen. Dies kann der Organist jedoch nicht selbst entscheiden, sondern wird von der Hochschule besonders begabten Studenten angeboten. Danach ist man dann Konzertorganist, hat einen A-Schein und bevölkert die Kirchen und Konzertsäle dieser Welt. Da das Alphabet bei A ein Ende hat, kann man keine weiteren Scheine erwerben, die Ausbildung und das Lernen hat dann aber immer noch kein Ende.

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